Neue Erkenntnisse zur gefäßschützenden Wirkung von Rot- und Weißwein

Der positive Einfluss von Rot-und Weißwein bei Typ 2-Diabetikern (Erwachsenendiabetes)

Dr. med. Gerhard Kreuter

In der ersten Deutschen Studie zum Einfluss von moderatem Weingenuss auf den Blutzucker bei Typ 2 Diabetikern (Erwachsenendiabetes) konnten wir 2003/2004 an der Ahr nachweisen, dass medikamentös oder diätetisch gut eingestellte Diabetiker ruhigen Gewissens 0,3 Liter trockenen Rotwein zum Essen trinken können. Für zahlreiche Diabetiker stellt dies ein gutes Stück Lebensqualität dar. Darüber hinaus zeigte sich, dass der tägliche Genuss von 300 ml Ahr-Rotwein innerhalb von 6 Wochen das Risiko an Herzinfarkt oder an Schlaganfall zu erkranken um 10 % absenkt. Dies ist gerade bei Diabetikern vom Typ 2 so wichtig, weil 80 % von ihnen an Herzinfarkt, Schlaganfall oder anderen Gefäßleiden sterben – und 7-8 Millionen Menschen leiden in Deutschland am Diabetes Typ 2!

In den Heimatjahrbüchern des Kreises Ahrweiler 2005 und 2006 haben wir über unsere Diabetes-Ahrwein-Studie der Deutschen Weinakademie und über die Zusammenhänge zwischen Diabetes mellitus Typ 2 (Erwachsenendiabetes) und Arteriosklerose (Arterienverkalkung ) berichtet. Unsere Studie ist inzwischen in ganz Deutschland bekannt und auch anerkannt.

 

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse weisen auf einen Zusammenhang zwischen dem Zustand der Gefäßinnenhaut (des Endothels) und dem Vorkommen von körpereigenen Knochenmarkstammzellen (endotheliale Vorläuferzellen) im zirkulierenden Blut hin.

Sind diese Vorläuferzellen, die die Gefäßinnenhaut (das Endothel) schützen und somit Gefäßschäden reparieren, im Blut erniedrigt, resultiert daraus ein vermehrtes Auftreten von Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen Gefäßleiden. Bei übergewichtigen Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 sind diese Zellen im Blut deutlich erniedrigt, dies ist eine Teilursache der oben erwähnten Häufigkeit von Herz- und Gefäßleiden bei Diabetikern.

Neue Studie mit Rotwein
2006  wurde daher eine neue Studie mit Rotwein initiiert, die von der Medizinischen Klinik III Kardiologie der Universität Köln und der Diabetologischen Schwerpunktpraxis
Karl-Heinz Hauser in Ahrweiler durchgeführt wurde.
Untersucher waren in Köln Prof . Dr. med. Markus Flesch, jetzt Chefarzt in Soest und seine Mitarbeiterin die Ärztin Cathy Seck sowie in Ahrweiler der Internist und Diabetologe Karl-Heinz Hauser und der Internist und ehemalige Chefarzt Dr. med. Gerhard Kreuter. In Köln werden in einer aufwändigen und teuren Untersuchung die Stammzellen bestimmt, dazu weitere Blutwerte. In Ahrweiler werden die Patienten rekrutiert,  und eingehend untersucht. Bei ihnen wird mittels Ultraschall ein (komplexer, nicht invasiver ) Gefäßfunktionstest durchgeführt.
30 übergewichtige Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 wurden in unserer Studie untersucht. Sie durften 4 Wochen keinen Alkohol trinken, dann kam die Rotweinphase über 6 Wochen mit 300 ml Rotwein trocken mit 12,5 Vol.% entspricht 30 g Alkohol, die täglich getrunken wurden. Beim Rotwein handelte es sich um einen Lemberger aus Württemberg, gestiftet von der Deutschen Weinakademie. Vor und nach dieser 6-wöchigen Trinkperiode mit Rotwein wurden eingehende Untersuchungen durchgeführt. Sie zeigten, dass Körpergewicht, Blutdruck, Zuckerstoffwechsel und Leberwerte sich nicht veränderten. Das gute gefäßschützende HDL-Cholesterin stieg an, das krankhaft erhöhte Fibrinogen fiel ab , beides signifikant.


Entscheidend sind jedoch 2 Ergebnisse:

1) Mittels Gefäßfunktionstest wurde von uns gezeigt,
   dass der Rotweinkonsum über 6 Wochen bei diesen Risikopatienten
   eine signifikante Verbesserung der– bzw. Gefäßfunktion (Endothel)
   und somit der Durchblutung erbringt.

2) Die zirkulierenden endothelialen Vorläuferzellen als
   Reparatur- und damit Schutzzellen für die Gefäße steigen
   unter dem Rotweingenuss signifikant an. In unserer
   Untersuchung wurde dieser Zusammenhang zwischen
   Rotwein und Gefäßschutz weltweit zum ersten Mal
   nachgewiesen.
   Dies führte unter anderem dazu, dass die Studie auf der
   Herbsttagung der American Heart Association Anfang
   November in Orlando/USA von Frau Seck vorgestellt
   wurde. Das ist der weltweit größte Kardiologenkongress.

Die Köln-Ahrweiler-Weinstudie zeigt somit ganz neue Aspekte und Erklärungen der gefäßschützenden Wirkung des Rotweins.
 
Die Fortsetzung der Studie –  diesmal  mit Weißwein – wurde 2008 bis 2009 unter identischen Bedingungen vom gleichen Team, zu dem noch der Doktorand Amir M. Nia aus Köln stieß, durchgeführt. Als Studienwein nahmen wir einen Mayschoßer Riesling fh, die tägliche Weinmenge betrug auch hier 300 ml. Der Wein wurde  gestiftet vom Forum Wein und Gesundheit.
Erfreulich und etwas überraschend: Der Weißwein erbrachte ähnlich positive Wirkungen wie der Rotwein: Die Gefäßfunktion verbesserte sich signifikant, die Gefäßschutzzellen (Progenitorzellen) stiegen deutlich messbar an
Die Ergebnisse beider Studien wurden  Anfang September 2009 auf dem Europäischen Kardiologen-Kongress in Barcelona vorgestellt, einem der bedeutendsten Ärztekongresse in Europa!

Die von uns immer wieder empfohlene tägliche Menge von bis zu 300 ml trockenen Weines für die Männer und bis zu 200 ml für Frauen hat keinerlei Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel, wie auch unsere und andere Studien gezeigt haben. Vielmehr stehen hier im Vordergrund gerade beim Diabetiker die positiven Wirkungen in Form der Blutverdünnung und der Verbesserung des Fettstoffwechsels. Beide setzen neben anderen positiven Einflüssen das Risiko für Herzinfarkt,  Schlaganfall und Beinamputation als Folge von Durchblutungsstörungen deutlich herab. Unsere Studien  haben weltweit erstmalig diese vorstehend  beschriebenen Mechanismen der  gefäßschützenden  Wirkungen  von Rot- und Weißwein nachgewiesen.

 



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